Sonntag, 19. April 2015

"Im Inner'n bin ich ein trauriges, kleines Mädchen - nichts weiter." (Und eure Selbstgespräche so?)








Liebes Kleines aus dem Inner'n,
 

ich weiß, du bist oft traurig.
An bösen Gedanken und tiefschürfender Unsicherheit resultierend aus deiner übermächtigen Angst, erkenn' ich, dass du mal wieder unglücklich bist. So sehr, dass dein Geist mich hilfesuchend heimsucht.
Dann färbt er alles in mir dunkelgrau bis schwarz und ich kann nicht mehr anders, als dich wahrzunehmen. In solchen Momenten bemüh' ich mich sehr, meine Arme schützend um dich zu legen und dich zu trösten. Es klappt zwar nicht immer sofort, aber irgendwann schaff' ich's dann doch dich zu beruhigen.
Manchmal, und das tut mir wirklich Leid, ignorier' ich dich einfach und sperr' dich zurück in mein Herz aus Glas, wo du dann so lange schreist und weinst und rebellierst, bis es erneut zerspringt. Die Splitter in mir kann ich dann nicht mehr übersehen, die muss ich fühlen und den Schmerz - deine eiskalt ergreifende Angst.
Wie oft haben wir mein Herz schon wieder zusammen geflickt? Uns durch den Scherbenhaufen gewühlt und Stück für Stück an seinen altbekannten Platz gesetzt. Ich hab bluten müssen, und du hast dabei so viele Tränen geweint.
Ich bin dir deswegen nicht böse. Das ist schon okay.
Ist ja noch nicht so lang' her, seit du dich das erste Mal gezeigt und ich dich entdeckt hab. Die meiste Zeit meines Lebens hast du dich nicht blicken lassen, dich lieber versteckt und im Schatten meiner Selbst intrigiert, wenn du mal wieder zu ersticken drohtest. Ich wollte dich auch nicht sehen, ich wollte nichts von dir wissen.
Immer wieder hast du stillschweigend an einem der Fäden gezupft und gezogen, von denen ich, bis vor kurzem, nicht einmal wusste, dass ich sie in Händen hielt, um mich auf Wege zu leiten, die deine Angst in mir lindern sollten.
Aber du bist viel zu klein. Du kannst noch nicht über den Tellerrand hinausschauen. Du denkst und lebst und lenkst nur für den Augenblick.
Du brauchst keine Angst mehr zu haben. Du bist nicht mehr allein.
Ich nehm' jetzt deine Hand und versuche uns durch das Heute bis ins Morgen zu führen. Ich will Verantwortung für dich übernehmen. Ich sorge jetzt für dich, so gut ich kann. Ich beschütze dich, und nehm' mir die Angst.
Du trägst sie mit mir herum, aus einer Zeit, die längst vergangen ist. Damals hat man dich sehr verletzt, und du dachtest, dass du jetzt sterben müsstest, weil auch ich dir letztlich den Rücken gekehrt und dich verleugnet habe, vor mir selbst. Als alle anderen mich verlassen haben, bin ich von deiner Seite gewichen und hab mich dabei selbst im Stich gelassen, ohne es zu ahnen. Deine Angst war so berechtigt.
Aber das alles gehört der Vergangenheit an. Sieh' dich um - du bist in Sicherheit. Es sind Jahre vergangen. Und heute, im Hier&Jetzt, bin ich stark genug, um für uns beide zu sorgen. Es gibt Tage, an denen falle ich zurück und schieb' dich von mir weg, sodass du wieder Angst bekommst, weil niemand mehr da ist, aber du kannst dir sicher sein, ich hab längst begriffen:

Du bist der Rhythmus meines Herzschlags in mir
und deswegen kehr' ich immer wieder zurück zu dir.




 (2010)









hearts are not only beating - they are all counting down.

(09/10)




Nur stockend drehen die Zeiger
Sich um den eig'nen Mittelpunkt
Auch der Sand fließt nicht mehr weiter
Durch sein Glas bis auf den Grund

Weder ein Rieseln noch das leise Ticken
Sind tief im Herzen zu vernehmen
In wimpernschlag-langen Augenblicken
Scheint die Zeit mir still zu stehen


Und ein Stück
Von mir im Inner'n
Wird ver-rückt
Bis zum Hirnflimmern

Herz.Stillstand


(Und hinter den Kulissen?)




Die Gesamtzahl
der Herzschläge
 im gesamten Leben 
eines
Säugetieres
 beträgt rund 
eine 
Milliarde. 
Der Mensch
ist dabei 
eine Ausnahme; 
er bringt es 
maximal
 auf 
fast 
vier 
Milliarden
Herzschläge
...




 




Samstag, 11. April 2015

Frohe Weihnachten, Frau Doktor! Und rutschen Sie gut... (09/10)





Schmerzlich zerbrochener Scherbenhaufen
überflutendes Gefühlsgewitter
Zähneknirschen, kurz verschnaufen
Dann der nächste Gedankensplitter


Angst zerschneidet mir die Nerven
Fließt in Adern durchs System
Nichtmal dialytisch zu entfernen
Und nicht dem Blutbild zu entnehm'

Der ganze Körper unter Spannung
Jede Muskelfaser ist verkrampft
Bis die Panik durch Versiedung
Alias Medis dann verdampft







 

Donnerstag, 9. April 2015

(art)Verwandtschaft

10/11


















Unsere Freuden und Tränen verdanken wir den Harlekinen.






 2010








Entglitten (09/10)





[...]
Durch den Lautsprecher verkündete eine Stimme (sofort dachte ich daran, dass Menschen so etwas vor ein paar hundert Jahren noch als religiöses Erlebnis abgebucht hätten, befand den Gedanken dann aber, doch sehr einsichtig, für irrsinnig, verwarf ihn und verbuchte das Ganze als irrelevantes Erlebnis) das Eintreffen eines weiteren Zuges an Gleis 11, während ich das aktuell abgespielte Lied meines mp3-Players weg drückte und gierig nach reizvolleren Störgeräuschen suchte. Seit mir das verflixte Teil in meiner Tasche unfälligerweise kaputt ging(ich trat, ungeschickt wie ich bin, auf's eben erwähnte Tragebehältnis, als dieses vorlegerkonkurrenzfähig meinen hübschen, alten Dielenboden zierte) war das Display nicht mehr lesbar. Blöderweise hatte ich den Player zuletzt auf 'Repeat One' eingestellt, was zur Folge hatte, dass er mir in den vergangenen Wochen stets ein- und dasselbe Lied, unaufhörlich in meine Ohren säuselte, wenn ich nicht hin und wieder manuell in diese Endlosschleife eingriff.
Vor wenigen Monaten war ich noch stolze Besitzerin eines Paares zauberhafter Bluetoothkopfhörer für mein schickes Sony Ericson gewesen, die ich hütete, wie einen kostbaren Schatz, bis mir eine lange, vergeudete Nacht missbilligend einen Strich durch die Rechnung machte.
(Unüberlegte bis fahrlässige Spontanaktionen lagen mir ziemlich und standen mir, wie ich fand, auch sehr gut.)
Am Tag vor besagter Nacht fuhr ich einen Bekannten außerhalb des Schlummerschlaflandes besuchen, um mittels einer berauschenden Hirnzellenzerstörung ein ganzes Wochenende durchzufeiern. Ich war erwartungsvoll und verzehrte mich nach der Atmosphäre im Club, dem Tanzen, sogar dem Trinken und vor allem meinem kleinen Speedy, mit welchem ich im letzten Jahr eine stetig bindendere, innige Freundschaft pflegte. Dank und mit ihm hatte ich die längsten, grenzwertigsten, tanzwütigsten, tiefsten Zeitfenster der letzten 21Jahre durchlebt.
Ich war bitter enttäuscht, als wir die Nacht getrennt voneinander verbrachten und ich stattdessen in nervenzerfetzende Berührung mit der altbekannten, unbefriedigten Sehn-sucht kam, letztendlich.
Zur Ablenkung fing ich an Herrn Absolut unsichere Blicke zu zu werfen, obwohl ich ihn und die anderen Flaschen eigentlich verschwindend gering schätzte. Allseits beliebt, traf man ihn auf jeder Party an - er flößte Heiterkeit ein, war einfach immer flüssig, brachte die Veranstaltung in Schwung und beendete sie auch, nach Lust und Laune. Vor Jahren, ich war gerade mal 15, standen wir uns sehr nahe, aber seit dieser Affäre(ursprünglich als eine unverbindliche 'just for fun'-Wochenendbeziehung gedacht) hatten wir uns lange Zeit aus den Augen verloren. Aus dem Sinn ging er mir nie ganz, trotzdem wurde mein Verhältnis zu ihm nicht mehr wie damals. Es schwankte und sank zwischenzeitlich auf Kellergeschosshöhe, aber mittlerweile standen wir auch schon wieder darüber. Herr Absolut wurde zum Lückenbüßer.
Während ich also versuchte meinen feierwütigen Selbstzerstörungsakt trotz allem irgendwie auszuüben fiel mir, als Sahnehäubchen getarnt, der tragische Verlust meiner Schallwellen spendenden, kabellosen(!) Schätze auf, was für mich einem plötzlichen Filmriss gleich kam. Zack! Angehalten.
Resignierend stieg ich aus der, im Nachhinein, von vornherein zum Scheitern verurteilt erschienenen Nachtschwärmerei aus und ein in den Schlummerschlafland-Express. Eine dunkle Gestalt rannte verspätet den Bahnsteig entlang und klopfte gegen die Tür, als wir uns schon in Bewegung gesetzt hatten. Für einen triumphierenden Moment fühlte ich mich der erfolglosen Gestalt ziemlich überlegen. Immerhin hatte ich schon im Club begriffen, was ihr nun dämmerte: der Zug war abgefahren.


 
[...]







Entgleist (09/10)





Da stand ich also.
Ausgeblutet, an den Gleisen einer leblosen Stadt, die vor einer gefühlten Ewigkeit schon eingeschlafen war, und nun verträumt in ihr Kissen sabberte. Zwar herrschte Nacht, da verfällt man in der Regel dem Schlafsandrausch, aber dieser Ort war regelrecht narkotisiert, als wartete er nur auf ein Döschen T61, all-tagtäglich.
Ich mochte es hier nicht. Die Blutkörperchen, die hin und wieder Gerinnsel bildend die Adern verstopften, waren platt und alle gleich - ein notwendiges Übel und in erster Linie nützlich.
Hauptsächlich aber war es Neid, weswegen ich das Städtchen, nennen wir es Schlummerschlafland, als einen mir äußerst unfreundlich gesinnten, höhnischen Wirt empfand. Wie es sich einfach aus dem Staub machte, muxmäuschenstill, ohne ein Anzeichen, eine Warnung und seelenruhig einging, nein -schlief.
Ich hingegen war Tagträumerin - wiederholt schlaflos, chronisch wach, lebensmüde.
Schon in der ersten Zeitspanne Marathonwachsamkeit fällt dir nach drei bis vier Tagen auf, dass du eigentlich gar nicht mehr richtig wach bist, du beginnst auf eine gähnende Art Schlaf zu wandeln. Irgendwann nimmst du das dich umgebende Geschehen nur noch wie in einem Traum wahr, alles wirkt beängstigend unwirklich, du vergisst, wie es sich anfühlt wach zu sein, und nachts sitzt du allein, weinend in deinem Bettchen und fängst an dir zu wünschen, dass das alles tatsächlich nicht real ist und tief in dir hoffst du, eine wahnsinnige Sekunde lang, wirklich aufzuwachen. Keine zwei Atemzüge später, erinnerst du dich daran, dass du nur Schlaf brauchst. Du musst endlich schlafen.

Hätte ich die Kopfhörer nicht aufgehabt, um das leise Schnarchen des Schlummerschlaflandes mit subjektiv als besser empfundenen Störgeräuschen zu übertönen, hätt' ich das Husten der Frau ein paar Meter neben mir zuerst wahrgenommen, so bemerkte ich sie Augenblicke nachdem sie ihre Zigarette ausgedrückt hatte.
Ein wahrer Blickfang erwartete mich freudig grüßend mitten in ihrem Gesicht - eine unangenehm auffällig krumme und schiefe Buckelnase, die nicht nur zum Anstarren einlud - sie verführte, war geradezu aufdringlich. Mein Blick gab ihr einen Korb und wanderte schnell weiter Richtung Erdmantel alias Asphalt. Ungenierte Musterung. Schließlich fixierte ich ihre beiden gigantisch dicken, kugelrunden Möpse. Wie viel wiegt so etwas normalerweise? 5Kg?! Dann waren das 12! Körbchengröße jeweils bestimmt 80cm, im Durchmesser. Pubertäres Schmunzeln wäre an dieser Stelle übrigens durchaus angebracht. Diese zwei misshandelten, kläffenden Kampfhamster erinnerten unweigerlich an das allseits liebkoste sekundäre Geschlechtsmerkmal einer (zugegeben etwas missgebildeten) Frau. Mit einem Quäntchen Phantasie sahen ihre fetten Leiber beinah' aus, wie Brüste, mit den Adipositasköterköpfchen als disproportional großem Nippelersatz. Beine sowie Schwänzchen musste man sich nicht mal weg denken, die Stummel sah man in dem süßen, extra angefertigten Tragetäschchen gar nicht, wurden in Freiheit aber wahrscheinlich eh von Fettlappen retuschiert.
Die Hexe musste sie gemästet haben, für schlechte Zeiten. Vielleicht lenkte sie so auch einfach von ihrer realen, beträchtlich verächtlichen Körbchengröße von Hühnerbrust bis Flachland ab, und natürlich - ihrer Namensgeberin. Sie verfütterte ihre Komplexe einfach an die Speckmöpse. Meinem Urteil würd' ich da jetzt aber auch nicht unbedingt blind vertrauen. Ich bin nur Hobbypsychologe, kein Experte. Insgeheim glaube ich sowieso, die Zwei sind irgendwie in die Geschichte mit dem dösenden Schlummerschlafland verstrickt.
Vor irgendwelche Hunde war es schließlich gegangen.



[...]







Mittwoch, 8. April 2015

Tiefseetaucherin, selfmade.















(09/10)

Beziehungsweise Krieg






ist es nicht fast schon Ironie
eine weiße Fahne zu hissen
obwohl's keine Siegesseite gibt
weil beide verlieren müssen

dennoch holt man zum Abschied
ein Taschentuch heraus
und wie in einem Krieg
da macht man es so auch
ergeben die Menschen sich
aber letztendlich
geben sie einander auf

unsere Geschichte hat kein Ende
wenn sie neuen Anlauf nimmt
versunken in Gedanken schwenke
ich niedergeschlagen im Wind

kein weißes Stofftaschentuch
denn jede Faser ist besessen
von einem vorletzten Versuch
allzu widerruflichen Vergessens



(09/10)




 
 
 

 

Dienstag, 7. April 2015

MissTristesse ertrinkt im Schlummerschlafsand






es regt sich nichts
schlichtweg trist
in mir ist
nur graues Wolkenmeer
ohne Regen, Donner, Blitz
fällt mir das Schreiben ach-so schwer
ich fühl' mich zu nichts imstande
Seite für Seite für Seite bleibt leer
vielleicht ein paar Worte am Rande
hier und da, aber selten mal mehr
dabei muss ich zu meiner Schande
gesteh'n, ich bemüh' mich schon sehr
letzter Versuch des verklärten Verstandes
in pechschwarzer Tinte wie Teer
mithilfe des Schlummerschlafsandes
Momentaufnahmen vermehrt
unversehrt einzufangen


keinen geschlagenen Augenblick ist's her
da sickerte dein Nebel durch meine Glieder
Gedanken versanken immer tiefer im schier
rauschenden Geflüster bald totgehörter Lieder

es war einmal, als ich nicht schlief
da tagträumte ich vom Negativ
des einzig gelungenen Schnappschusses
unseres wimpernschlaglangen Kusses
und nur ein müdes Blinzeln später
fehltest du mir schon wieder

wer im Kreislauf den Anfang vergisst
verfängt sich vielleicht in Tristesse
aber was weiß denn schon ich
die Randnotizen sind ja auch wieder bloß Mist
und selbst wenn nicht
ich fände
für's ohnehin nicht existente
also rein theoretische Gedicht
nicht mal ein passendes Ende

ohne dich

bleibt nur die kalte Asche in mir
plus das unlinierte Blättchen Papier
mit wirren Versskizzen ruiniert
zielsicher irritiert
griff ich mit der linken Hand
ins gedankengraue Wolkenmeer
Kopf zu, durch die Wand -
Herz schwer, hinterher

zwischenzeitlich dann
unvermeidlich, irgendwann
fühl' ich mich halt leer
und zumindest für so lang'

weiß ich nichts zu Schreiben mehr



(09/10) 








Radiergummikopf vs. Bleistiftherz

09/10






Und später dann
Eines Tages, irgendwann
An meinem frischen Urnengrab
Höre ich, wie jemand sagt

"Ja, sie hat's ja immer schwer gehabt
Fast das ganze kurze Leben lang"


Es ist nicht so, dass ich ertrank
Wegen des steigenden Salzwasserpegels
Obwohl ich oft viel weinte im Stillen
Auch nicht aufgrund des Dauerregens
Nicht einmal um der Liebe Willen.


Ich las einst eine Geschichte von mir
Ein kaum entzifferbares Gekritzel
Auf einem Stückchen kariertem Papier
Darüber zweizeilig der Titel
>Dein ganzes Leben, es steht schon hier
Nur halt eben, nicht geschrieben von dir<

Ich musste gar nicht alles lesen
Schon die in den ersten Abschnitten
(Aus-)Gschriebenen Szenen
Hatten sich wirklich unumstritten
Einmal fast genau so begeben
Ich las die letzten Worte, während
Ich mir die Unterlippe blutig biss
Und dachte voller Entsetzen
'KEIN HAPPY END'
Bevor ich den Zettel in Fetzen riss


Hätt' ich bloß den Radierer bemerkt
Plus den angespitzten Bleistift daneben
Und vielleicht noch den Vermerk
unten links auf der Rückseite gelesen

>Du denkst, mir sei's misslung'?
Dann kannst du's ausradier'n
Schreib ruhig 'ne eig'ne Fassung
In meiner kannst du nur verlier'n

Es ist ohnehin deine Geschichte
Berichte selbst von ihr
Ich schrieb dir ein ganzes Leben
Nur halt eben
Eine Variante von mir<









"The worst word in the world is content." (Spacey)







(09/10)






Gratwanderung


  (09/10) 




Du hast so viel geredet
Aber nie etwas versprochen
Ich wünschte, stillschweigend
Hätt' ich dein Herz zerbrochen

Ich hätt's dir entrissen
Und wär' drauf 'rumgetreten
Nur um es zu küssen
Und dann gesund zu pflegen

Ich hätt' dich gerne verletzt
Und damit du's wieder vergisst
Dir den salzwäss'rigen Schmerz
Von den Wangen geküsst

Mit mir wärst du bestimmt
Weit über tausend Tode gestorben
Doch bevor du ertrinkst
Durch mich schon wiedergeboren


Es gibt keine halben Sachen
Wenn die Grenzen verwischen
Lieben oder hassen
Ich zerreiss' mich dazwischen


 
'Sag, ist es nicht auch Liebe bloß
wenn zwei Wesen die Zähne blecken
sich zerreißen, um kurz vor dem finalen Stoß
einander die Wunden zu lecken?'









Montag, 6. April 2015

Die Ausnahme von der Regel







Ich bin müde, sobald die Sonne aufgeht
Und wach, solang der Mond am Himmel steht

"Ich liebe dich" wird zu schnell banal für mich

"Ich hasse dich" zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht

Ich könnte fliegen - höher schneller, weiter - als der Schall

Und entscheide mich trotzdem - jedes Mal - für den freien Fall

Ich brauch' so viel Nähe - eine Hand die mich berührt und führt

Bis ich wieder ersticke, weil sie mir die Kehle zuschnürt

Ich will schwach und zart sein, aber Stärke bleibt das oberste Gebot

Ich will leben und lachen, und fühl' mich dabei innerlich längst tot

Bin völlig übersättigt und kriege dennoch nie genug
Der zitternd zögernde Finger am verklemmten Abzug

Ich bin die Notlüge, die beinah' jeder missversteht

Wie ein Kind, das in einem erwachsenen Körper lebt

Such' nach der sichersten Zuflucht, dies überhaupt gibt

Plus einem nie enden wollenden Rosenkrieg

Ich bin ein Stern, der in einen leeren Himmel fällt

Ich bin alles oder nichts, aber niemals Teil dieser Welt


(09/10)







Eiszeit (09/10)






Es ist klar
was passiert
weil's schon immer so war
und nur so funktioniert
und ich hab' ja kapiert
dass alles irgendwann geboren wird
erst vereist und dann erfriert
Ich bin weit über 100mal gestorben
hab mich bereits 1000mal verirrt
immer wenn von gestern über heute auf morgen
wieder etwas verbrennt
und an Bedeutung verliert
kurz bevor der Eine erkennt
was den Andern verwirrt
Mich treibt die Sehnsucht
gezeichnet von Gier
nach Worten geschrieben
auf gebleichtem Papier
gebunden zu einem Buch
über die Liebe zu dir
aber deine Bilder versinken
immer tiefer in mir
Ich hab's über Stunden versucht
ich hab alles probiert
ich hab nichts überwunden
doch sie verschwinden von hier
Und was jetzt noch geschieht
ist das Verbinden der Wunden
bevor jemand hinsieht
Ich hab nichts mehr gefunden
es ist alles versiebt

die Erinn'rung verblasst 
Vielleicht hab ich stets zu wenig geliebt
aber dann auch nie genug gehasst


(09/10) 







 

Samstag, 4. April 2015

Die ganze Welt ist doch so leer



  



Ich trau' mich nicht zu sterben
Halt' die Fäden in der Hand
Spaziere über Scherben
Verliere den Verstand

Ich kann mich sehnen,
doch die Sucht still ich nicht.
Ich kann suchen,
nur finden werd' ich nichts.

 
Es ist kalt hier.


09/10







"The enormity of my desire disgusts me." (Richard Siken)

09/10












Freitag, 3. April 2015

AC/DC: Wir sind elektr(on)isch.





(Alles wird) BESSER:
09/10








Donnerstag, 2. April 2015

Timothy Dora, for(n)ever





2009/10








Die Maske fällt - nirgendwo ein Vorhang: die ganze Welt ist Bühne! (01|10|09)






<Ich fühl' mich dir verbunden, auf 'ne ganz seltene Art.

Ich kann mich ganz vielen Menschen verbunden fühlen, sowie umgekehrt, weil sich jeder missverstanden fühlt und sein Leben lang bloß endlich erkannt werden will. Irgendwann hab' ich genau hingesehen und die ganze Welt verstanden. Wenn man alles versteht, hat man für alles Verständnis; und man bringt es auch auf, wenn man ein Herz hat plus Verstand. Die Dinge zu verstehen, heißt nicht, die Dinge gleich zu sehen - aber so genau nimmt das hier keiner. Diese fehlende Liebe zum Detail ist, nicht zuletzt, schuld daran, dass sie mich nie verstehen werden. Aber das ist okay. Es gibt so Menschen, die ihr ganzes Leben verkannt bleiben. Es ist ja eh alles immer so ein Geben und Nehmen, bloß kann man nicht immer Gleiches mit Gleichem vergelten. Gerechtigkeit ist viel mehr. Wir sollten aufhören glattzubügeln - die Welt ist komplexer und das Leben komplizierter und meist schwieriger, als es aussieht.
Es gibt einige Faktoren, die mich immer wieder glauben lassen, ich wär' am glücklichsten, wenn ich unglücklich bin. (Eine anonyme Melancholikerin.) Dreh' dich ruhig weiter im Kreis um deinen eigenen Mittelpunkt, ich werf' einen flüchtigen Blick in den Himmel. Hier unten ist alles schwarz und hässlich; alles ist verbrannt, voll Asche und kalt. Wir stehen im Regen, aber wenn man den Kopf in den Nacken legt, sieht man in weiße Wolken.

Ich glaube, unsere Art zu sehen, denken, aber vor allem fühlen und träumen ähnelt sich mehr, als die der meisten.
Mein Beileid.>









Back to Offtopic! Füttern wir die Angst.





14|02|03  20:06


Es war einmal...


Da war ein Name - so wurde sie genannt
Da war ihr Herz - kalt und ausgebrannt
Da war Fleisch - geformt zu einer Hülle
Da war Haut - verziert mit der Narben Fülle
Da war Wut - und sie weinte still
Da war ein Leben - das sie nicht will
Da war Leere - an jedem Ort
Da war Schmerz - niemand trug ihn fort
Da war Hass - eingebunden in Fleisch&Blut
Da war Angst - und es fehlte der Mut
Da waren Schnitte - gefolgt von dunklen Narben
Da war Liebe - in Depressionen vergraben
Da waren Tränen - niemand sollte sie sehen
Da war Sehnsucht - jemand sollte verstehen


Die letzten Worte auf Papier, mit Herzblut geschrieben.
Wär' da jemand gewesen - vllt wär' sie geblieben.





 (long, long time ago - I can still remember.)